Eine neue internationale DNA-Analyse bringt bislang unbekannte Informationen über Adolf Hitlers genetisches Profil ans Licht. Die Untersuchung zeigt, dass Hitler eine ungewöhnlich hohe genetische Veranlagung für mehrere neuropsychiatrische Merkmale hatte und möglicherweise an einer seltenen hormonellen Entwicklungsstörung litt. Die Ergebnisse werden in der neuen zweiteiligen Dokumentarserie Hitler’s DNA: Blueprint of a Dictator auf Channel 4 vorgestellt und entstanden unter Mitwirkung des Instituts für Biomedizin an der Universität Aarhus.
Als Hitler am 30. April 1945 in seinem Bunker unter der Reichskanzlei in Berlin Selbstmord beging, hinterließ er Blutspritzer auf einem Sofa. Ein US-Offizier sicherte damals eine Blutprobe, die nun die Grundlage der genetischen Analyse bildet. Professorin Ditte Demontis und ihr Forschungsteam nutzten diese Probe, um Teile von Hitlers Erbgut zu entschlüsseln.
Eines der auffälligsten Ergebnisse ist, dass die Analyse alte Mythen über Hitlers vermeintlich jüdische Abstammung widerlegt. Stattdessen zeigen die Resultate, dass er sich genetisch deutlich von der Durchschnittsbevölkerung unterscheidet – insbesondere im Hinblick auf psychiatrische Erkrankungen und Störungen der Gehirnentwicklung.
Die Forscherinnen und Forscher nutzten einen sogenannten polygenen Risikoscore-Test, um Hitlers genetische Veranlagung zu bewerten. Dieser Test fasst genetische Varianten zusammen, die das Risiko für Erkrankungen wie Autismus, Schizophrenie oder bipolare Störung erhöhen. Laut Professorin Ditte Demontis fällt Hitler hierbei deutlich auf:
„Ich wurde überrascht davon, dass Adolf Hitler im Top-1-Prozent für den polygenen Score für Autismus, Schizophrenie und bipolare Störung liegt. Keiner der 37.000 bevölkerungsbasierten Individuen lag bei allen drei Parametern so hoch. Er hebt sich daher extrem von der allgemeinen Bevölkerung ab“, sagt sie.
Dennoch warnt sie davor, aus den genetischen Ergebnissen voreilige Schlüsse zu ziehen. Ein hoher Score ist nicht gleichbedeutend mit einer Diagnose:
„Ich möchte ausdrücklich betonen, dass man die Studie nicht nutzen kann, um den berüchtigten Diktator zu diagnostizieren. Und dass die polygenen Scores nichts über die Moral oder das Verhalten einer Person aussagen. Einen solchen Zusammenhang herzustellen, ist wissenschaftlich nicht haltbar“, so Ditte Demontis.
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis ist der Hinweis darauf, dass Hitler möglicherweise am Kallmann-Syndrom litt – einer seltenen hormonellen Störung, die unter anderem zu ausbleibender Pubertätsentwicklung, Fruchtbarkeitsproblemen und Schwierigkeiten im sexuellen Umgang führen kann. Dieser Befund wirft ein neues Licht auf frühere historische Spekulationen über Hitlers Sexualität und seine komplizierte Beziehung zu Frauen.
Professorin Ditte Demontis war für die wissenschaftlichen Analysen verantwortlich, jedoch nicht für die DNA-Sequenzierung selbst. Sie wurde vom britischen Forschungsteam kontaktiert, das von Professorin Turi King geleitet wird – einer renommierten Genetikerin, die für ihre Arbeit im Bereich der forensischen und historischen DNA-Forschung bekannt ist.
„Ich habe zugestimmt, Adolf Hitlers genetisches Profil im Hinblick auf die Veranlagung zu psychiatrischen Zuständen zu beleuchten, weil es mir wichtig war, dass die Analyse wissenschaftlich fundiert durchgeführt wird und die Ergebnisse korrekt kommuniziert werden“, sagt sie.
Sie betont zudem das Potenzial der Studie, um das Verständnis Hitlers als historische Figur zu erweitern: „Die Studie erweitert das Verständnis Hitlers als historische Figur, indem sie auch seine Biologie einbezieht. Sie zeigt, wie moderne genetische Technologien auf historische Personen angewendet werden können – und sie wirft wichtige Fragen zur verantwortungsvollen Interpretation solcher Daten auf.“

