Forschung: Tierwohl in der Schweineproduktion erfordert mehrere gleichzeitige Maßnahmen

Einzelmaßnahmen sind nicht ausreichend, wenn das Tierwohl in der konventionellen Schweineproduktion verbessert werden soll. Das zeigen Ergebnisse des EU-Projekts mEATquality, in dem Forschende unter anderem die Auswirkungen von Platzangebot, Beschäftigungsmaterial und Futterzusammensetzung untersucht haben. Das Thema Schweineproduktion war zudem ein zentrales Thema in der laufenden Debatte im Vorfeld der Parlamentswahl am Dienstag.

Laut der Postdoktorandin Mathilde Coutant vom Institut für Tier- und Veterinärwissenschaften der Universität Aarhus können isolierte Maßnahmen sowohl positive als auch negative Folgen haben.

-„Wenn man wirklich eine Verbesserung des Tierwohls sehen will, brauchen Schweine deutlich mehr Platz. Aber das allein reicht nicht aus. Man muss Platz, Beschäftigungsmaterial und Futterzusammensetzung gemeinsam betrachten, um einen echten positiven Effekt für die Tiere zu erzielen“, sagt sie.

Das Projekt umfasste 812 Mastschweine, verteilt auf 60 Buchten, in denen drei verschiedene Maßnahmen getestet wurden: mehr Platz, Beschäftigungsmaterial und die Zuteilung von Raufutter.

Die Ergebnisse zeigen, dass mehr Platz den deutlichsten positiven Effekt hatte. Eine Verdreifachung der Fläche pro Schwein führte zu einer klaren Reduktion von Ohren- und Schwanzbeißen. Gleichzeitig waren die Buchten weniger mit Urin und Kot verschmutzt. In Buchten mit dem geringsten Platzangebot trat Verschmutzung in knapp 60 Prozent der Fälle auf, gegenüber 40 Prozent bei doppeltem Platz und 25 Prozent bei dreifachem Platz.

Mehr Platz verbesserte auch den Zugang der Schweine zum Futter. In Buchten mit begrenztem Platz konnten andere Schweine den Zugang zu den Futterautomaten bis zu 75 Prozent der Zeit blockieren. Mit mehr Platz wurde der Zugang erleichtert, allerdings trat ein neues Problem auf: eine höhere Häufigkeit von Magengeschwüren.

Laut Mathilde Coutant könnte eine mögliche Erklärung sein, dass die Schweine mehr fraßen, als sich der Zugang zum Futter verbesserte. Das verwendete Futter war fein gemahlen, was den Säuregehalt im Magen erhöhen und damit das Risiko für Magengeschwüre steigern kann.

Gleichzeitig zeigte die Studie, dass Raufutter einen positiven Effekt hatte. In Buchten, in denen den Schweinen Raufutter mit hohem Fasergehalt zugeteilt wurde, traten weniger Fälle von Magengeschwüren auf.

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Verbesserungen des Tierwohls eine Kombination von Maßnahmen erfordern und nicht durch Einzelmaßnahmen erreicht werden können.

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