Forscher plädiert für professionelle Sportverträge für Kinder unter 15

Ein Forscher der Aalborg Universitet stellt die gängige Auffassung von Kindern im Spitzensport infrage und argumentiert, dass formalisierte Verträge für junge Athletinnen und Athleten unter 15 Jahren sie besser schützen könnten als das heutige unregulierte System.

Wenn eine 13-jährige Person bei McDonald’s arbeiten darf, warum sollte sie dann nicht unter denselben Bedingungen professionell Fußball oder Tennis spielen dürfen? Diese Frage stellt der Forscher Jørn Sønderholm von der Aalborg Universität in einem neuen Artikel, der kürzlich für das Oxford Handbook of Sports Ethics angenommen wurde. Damit ist der Beitrag peer-reviewt und von anerkannten Fachwissenschaftlern redigiert.

In Dänemark ist es Sportvereinen untersagt, Verträge mit Kindern unter 15 Jahren abzuschließen, während es gleichzeitig erlaubt ist, dass Kinder ab 13 Jahren eine bezahlte Arbeit aufnehmen. Dieses Paradox sei nicht sinnvoll, so Jørn Sønderholm.

-„Es ist ein falscher Schutz der Kinder, ihnen Verträge vor dem 15. Lebensjahr zu verbieten, denn sie trainieren ohnehin bereits intensiv“, erklärt der Forscher.

Ungeregeltes Umfeld im Nachwuchsleistungssport

Jørn Sønderholm weist darauf hin, dass niemand an seinem 15. Geburtstag mit einem Talentniveau aufwacht, das ihn für professionelle Vereine attraktiv macht. Dafür seien jahrelanges intensives Training notwendig, das häufig bereits im Alter von fünf oder sechs Jahren beginne. Dieses Training finde jedoch ohne Vertrag und ohne formale Begrenzungen der Trainingszeiten sowie ohne verbindliche Vorgaben zu Ernährung oder Regeneration statt.

-„Heute trainieren 11- bis 12-jährige Mädchen und Jungen Tennis, Fußball und Golf auf hohem und intensivem Niveau, aber ohne jeglichen vertraglichen Rahmen. Alles, was vor dem 15. Lebensjahr geschieht, ist vollständig unreguliert“, sagt er.

Drei Bedingungen für professionelle Kinderverträge

Der Artikel argumentiert, dass es moralisch vertretbar ist, Kindern einen professionellen Vertrag zu geben, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:

Das Kind hat das Alter erreicht, in dem bezahlte Arbeit generell erlaubt ist (in Dänemark 13 Jahre für leichte Arbeit).
Das Kind darf die betreffende Sportart auf Wettkampfniveau ausüben (beispielsweise erlaubt der DBU Fußball ab sieben bis acht Jahren, Boxen hingegen erst ab 15 Jahren).
Der Vertrag hält alle arbeitsrechtlichen und sicherheitsrelevanten Vorschriften ein, die allgemein für Kinderarbeit gelten, etwa dass Kinder an Schultagen höchstens zwei Stunden trainieren dürfen und nicht nach 22 Uhr arbeiten dürfen.

-„Wenn ein 13-Jähriger nach 22 Uhr nicht bei McDonald’s arbeiten darf, dann darf er auch beim FCK nicht mehr aktiv sein“, betont Jørn Sønderholm.

Verträge als Schutz, nicht als Kommerzialisierung

Ziel des Forschers sei es nicht, die Kindheit zu kommerzialisieren, sondern sie besser zu schützen.

Ohne formale Verträge mit klaren Regeln darüber, was Kinder dürfen und was nicht, liege die Verantwortung allein bei den Vereinen und den Eltern. Dies trage häufig zu einem ungesunden Umfeld für die Kinder bei.

-„Indem wir früher Geld einführen, schaffen wir klare Rahmenbedingungen, die verhindern, dass Kinder ausgebeutet werden“, sagt Jørn Sønderholm.

Er verweist dabei auf den US-amerikanischen College-Sport, in dem die National Collegiate Athletic Association klare Regeln dafür festlegt, wie viel Studierende trainieren dürfen, um sicherzustellen, dass der Sport nicht ihr gesamtes Leben dominiert.

Der Artikel ist Teil des Oxford Handbook of Sports Ethics, das bei der Oxford University Press erscheint, und soll zur internationalen Debatte über Kinder im Spitzensport beitragen.

Zur Studie:

„On Professional Child Athletes: Why Serving for Money in Tennis is Morally Comparable to Serving for Money at McDonald’s“ wurde zur Veröffentlichung im Oxford Handbook of Sports Ethics (Oxford University Press) angenommen.

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