Bluttest könnte Epilepsie nach Kopftrauma vorhersagen

Ein gewöhnlicher Bluttest, der bereits in vielen dänischen Notaufnahmen eingesetzt wird, könnte Ärzten helfen, Patienten zu identifizieren, die ein erhöhtes Risiko haben, nach einer Kopfverletzung Epilepsie zu entwickeln. Das zeigt eine neue Studie von Forschern der Universität Aarhus.

Jedes Jahr werden tausende Dänen in Notaufnahmen behandelt, nachdem sie einen Schlag gegen den Kopf erlitten haben. Die meisten erholen sich ohne bleibende Schäden, doch eine kleinere Gruppe entwickelt in den Monaten oder Jahren nach dem Unfall Epilepsie. Bisher hatten Ärzte nur begrenztes Wissen darüber, wer am stärksten gefährdet ist.

Laut den Forschern könnte das Protein S100B, das bei vielen Patienten mit Kopftrauma im Blut gemessen wird, zur Einschätzung des Risikos verwendet werden.

„Unsere Studie deutet darauf hin, dass der S100B-Spiegel bei Menschen mit Kopftrauma genutzt werden kann, um zu beurteilen, wer ein besonderes Risiko hat, Epilepsie zu entwickeln“, sagt Postdoc Kasper Lolk vom Institut für Public Health an der Universität Aarhus.

Die Studie umfasst mehr als 10.000 Dänen, bei denen zwischen 2013 und 2022 nach einer Kopfverletzung das Protein S100B im Blut gemessen wurde.

Besonders relevant bei nachweisbaren Hirnverletzungen
S100B ist ein Protein, das bei einer Verletzung aus Gehirnzellen freigesetzt wird. In dänischen Notaufnahmen wird die Messung bereits genutzt, um zu beurteilen, ob Patienten mit leichteren Kopfverletzungen eine CT-Untersuchung benötigen.

Die Forscher stellten fest, dass erhöhte S100B-Werte mit einem erhöhten Risiko für Epilepsie verbunden waren – allerdings nur bei Patienten, bei denen auch nachweisbare Läsionen im Gehirn vorhanden waren.

In dieser Gruppe hatten Patienten mit hohen S100B-Werten ein Risiko von bis zu 21 Prozent, innerhalb von fünf Jahren Epilepsie zu entwickeln.

„Der S100B-Spiegel korreliert mit der Schwere eines traumatischen Hirnschadens, der zugleich der wichtigste Risikofaktor für posttraumatische Epilepsie ist. Daher ist es nicht überraschend, dass dieser Zusammenhang vor allem bei Patienten mit nachweisbaren Hirnläsionen zu sehen ist“, erklärt Jakob Christensen, klinischer Professor für Epilepsie am Institut für Klinische Medizin der Universität Aarhus.

Bestehende Erkrankungen erhöhen die Anfälligkeit
Die Studie zeigt auch, dass Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen ein besonders hohes Risiko haben, nach einem Kopftrauma Epilepsie zu entwickeln.

Dazu gehören unter anderem Menschen mit Gefäßerkrankungen im Gehirn sowie Menschen mit Alkoholmissbrauch.

„Unsere Studie deutet darauf hin, dass bestehende Erkrankungen das Gehirn anfälliger für die Folgen eines Kopftraumas machen können. Gefäßerkrankungen und Alkoholmissbrauch können beide das Risiko für Blutungen nach einem Kopftrauma erhöhen, und gerade Hirnblutungen sind mit einem deutlich erhöhten Risiko für eine spätere Epilepsie verbunden“, sagt Jakob Christensen.

Weitere Forschung erforderlich
Die Forscher betonen, dass weitere Studien notwendig sind, bevor die Messung von S100B als prognostisches Instrument in der klinischen Praxis eingesetzt werden kann.

Unter anderem fehlt noch genaueres Wissen über das Ausmaß von Hirnverletzungen und den Zeitpunkt der Blutentnahme. Die Ergebnisse müssen zudem in anderen Studien bestätigt werden.

„Kurzfristig sind weitere Studien erforderlich, die die Bedeutung von S100B genauer untersuchen. Langfristig ist die Hoffnung, dass dieses Wissen genutzt werden kann, um die Entwicklung von Epilepsie bei Menschen zu verhindern, die eine Kopfverletzung erlitten haben“, sagt Kasper Lolk.

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